Paul Schaffrath

//   Vita   //

Winrich C.-W. Clasen, Jahrgang 1955, schreibt unter dem Pseudonym Paul Schaffrath seit 2011 Kriminalromane. Seit einem Studium der Romanistik, Evangelischen Theologie und Kunstgeschichte in Bonn arbeitet er als Verleger in Rheinbach.

Radiointerview

Anlässlich der Herausgabe seines zweiten Kriminalromans „Die Drei Könige“ veröffentlichte das Domradio Köln ein Interview mit Krimi-Autor Paul Schaffrath.





Warum gerade Köln?
Winrich C.-W. Clasen, der seit 2011 unter dem Pseudonym Paul Schaffrath Kriminalromane schreibt, grinst. Für ihn ist die Metropole am Rhein als Handlungsort seines zweiten Kriminalromans naheliegend: als Sohn eines Kunsthistorikers zählten für ihn in seiner Jugend Besuche in den Kölner Museen und im Dom fast zum Alltag. (So hat Clasen die Wiederherstellung der 1975 gestohlenen Kölner Dom-Monstranz hautnah miterleben können.) Die Stadt dann in seinem Roman mit einem hanseatischen Kommissar zu verbinden, lag nahe; Clasen selbst ist in Hamburg geboren („Ein geborener und nicht bloß ein gebürtiger Hamburger“, bemerkt er dazu.). „Man schreibt immer über das, was man kennt“, sagt er.

Gibt es etwas, das der Autor als typisch für Köln ansieht?
„Typisch für eine Großstadt vielleicht – aber das gilt sicher auch für Hamburg oder München – ist aus meiner Sicht, daß die Einzelteile größer als das Ganze sind. Die Menschen leben nicht in der Großstadt, sondern in ihrem Stadtteil. Und sie leben anders in Nippes als in Chorweiler. Der Stadtteil schafft die Identität. Und wie in Hamburg oder München reduziert sich der Anteil der ursprünglichen Stadtbewohner, je länger die Stadt besteht; Köln ist ja seit Römerzeiten ein Schmelztiegel der Nationen. Die Anregungen werden also größer, je mehr Angehörige anderer Nationen hinzukommen. Kölner ist man, weil man die Stadt liebt, weil man die Mentalität mag, weil man den – leider langsam verschwin¬denden – Dialekt schätzt, ob man ihn nun von Wolfgang Niedecken, Peter Millowitsch oder von Gert Köster hört.“

Und was hat Helgoland mit einem Köln-Krimi zu tun?
„Ganz einfach: Die Band, die teilweise im Mittelpunkt der Handlung steht, macht Ende der achtziger Jahre eine kleine „Bädertour“ und kommt auch nach Helgoland. Dort geschieht dann der „Haupt¬mord“ des Romans. Ich brauchte nämlich eine Steilküste, von der jemand herunterfallen konnte. Meine vielen Fragen dazu hat PHK Lars Carstens mit fröhlicher Geduld und sehr anschaulich beantwortet.“

Warum schreiben Sie unter Pseudonym?
„Das hat ganz prosaische Gründe. In meinem Hauptberuf bin ich ja seit über fünfunddreißig Jahren Verleger – Kunstgeschichte, Theologie, Literaturwissenschaft (auch in Kooperationen mit Herder oder Bertelsmann). Unter meinem bürgerlichen Namen habe ich schon mehrere Sachbücher in Zusammenarbeit mit Hochschulprofessoren herausgegeben. Da lag es nahe, die eigenen belletristischen Unternehmungen davon zu trennen. Das Pseudonym fand sich wie von selbst: ein zeitloser Vorname, der nichts über das Alter des Trägers verrät, und ein Nachname, der wie ein rheinisches Dorf klingt, so daß sich damit das Verfassen von Regionalkrimis problemlos verbinden läßt.“

Ein paar Stichworte zur Handlung?
„Drei Freunde machen Musik. Mit der Sängerin werden sie dann berühmt. Ein kleine Tour führt sie auch nach Helgoland, wo das Mädchen – ungeklärt und ungesühnt – zu Tode kommt. Jahrzehnte später sind die Fronten klar – zwei Böse, ein Guter. Als es in Köln zwei Tote in der Sicherheitsbranche gibt, muß der Kommissar alles dransetzen, um den oder die Täter zu überführen. Daß auch noch ein geplanter Diebstahl im Wallraf-Richartz-Museum eine Rolle spielt, ist nur auf den ersten Blick widersprüchlich.“

Kann man den Autor in seinen Figuren wiederfinden?
Clasen sträubt sich, die Frage zu beantworten. „Eigentlich halte ich nicht viel davon, aus einem Roman Rückschlüsse auf das Leben des Verfassers zu ziehen. Aber der Held hat vielleicht – bewußt oder unbewußt – Marotten des Autors übernommen. Eine meine schlechteren Eigenschaften: Ich verbessere immer noch jeden in Grammatik oder Stil, wenn ich sehe, wie sehr die deutsche Sprache sonst leidet. Mein Kommissar tut das auch. Furchtbar.“

Warum gibt es soviel Musik in Die Drei Könige?
„Die Protagonisten sind, zumindest bis in ihre Studentenzeit hinein, Musiker. Aus Köln stammen große Teile meiner Lieblingsmusik, Lieder von Bands wie BAP, den Bläck Fööss (in der Original¬besetzung mit Tommy Engel), dem schon genannten Gert Köster. Und Musik ist für mich ein unverzichtbarer Bestandteil des Lebens. Es gibt Songs, die man mit bestimmten Lebensabschnitten oder auch Wendepunkten verbindet, Gruppen, die ein ein Leben lang begleiten, Texte (gerade von Bob Dylan), auf die man immer wieder zurückkommt.“

Wie recherchieren Sie?
„Normalerweise zu Fuß, was sich dieses Mal – durch die langfristige Heilung eines Bänderrisses bedingt – mehr aufs Telefon verschoben hat. Aber die Schauplätze habe ich, bis auf Helgoland, noch alle besuchen können. Und dann holt man sich den Rat von Experten. Ein Wissenschaftler des Wallraf-Richartz-Museums war sehr hilfsbereit, ebenso ein Herr vom Deutschen Sprengverband – ja, es gibt eine kleine Explosion im Roman – und natürlich die Kripo in Köln und auf Helgoland. Dort ist es die Wasserschutzpolizei. Alles war höchst unterhaltsam und manchmal ziemlich lustig.“

Wird es weitere Krimis geben?
„Wenn es meine Zeit zuläßt – sofort! Ich wollte immer schreiben. Ein weiterer Roman ist zu einem Viertel fertig, und für eine Fortsetzung des aktuellen Köln-Krimis Die Drei Könige versammeln sich die ersten Ideen in meinem Kopf.“

Ein Autorenfoto hier (in Web-Auflösung, in Druck-Auflösung).